4. Forum der Holsteiner: Großer Andrang und viele Tipps

Unter dem Motto „Jungpferdeausbildung – aber richtig“ veranstalteten die Holsteiner Jungzüchter ihr 4. Forum und an die 600 Zuschauer folgten ihrer Einladung am Nikolaustag in die Fritz-Thiedemann-Halle nach Elmshorn.

Das es sich bei dem Thema Jungpferdeausbildung um ein gefragtes und aktuelles Thema handelt, zeigte sich dem Organisationsteam um Inken Johannsen bereits im Vorfeld, mit über 600 Anmeldungen bahnte sich für das Forum ein neuer Zuschauerrekord an.

Die Holsteiner Jungzüchter hatten eine dreiteilige Veranstaltung vorbereitet und hochkarätige Referenten eingeladen. Den Anfang machte Weltmeister Sören von Rönne, der einen Ausbildungs- und Turnierstall in Neuendeich bei Elmshorn betreibt. Von Rönne vermittelte den interessierten Zuschauern einen Einblick in die Freispringarbeit mit jungen Pferden. Gleich zu Beginn machte Sören Von Rönne darauf aufmerksam, dass das Freispringen für ihn keine zu starke Gewichtung in der klassischen Ausbildungslehre hat. Jedoch sieht er es als gutes Instrument, um junge Pferde an das Springen heran zu führen. Gab aber auch zu bedenken, dass die Leistung, die ein Pferd hier zeigt nicht überbewertet werden darf, denn, so von Rönne: „ Ich hatte durchaus schon Pferde, die nicht so gut frei sprangen, aber später international erfolgreich im Springsport waren“  Schon anhand der ersten 3jährigen Pferde, die zum Freispringen in die Bahn kamen, wurde deutlich, wie viel Wert der Nationenpreisreiter auf Ruhe und Vertrauen bei der Arbeit mit jungen Pferden legt. Er ließ die Sprünge entfernen und die Pferde zunächst nur über am Boden liegende Stangen in der Freispringasse traben. Diesbezüglich ergänzte Von Rönne, dass die Pferde möglichst selbstständig zum ersten Sprung kommen sollten. „So lernen sie, selbst zum Sprung zu gucken. Eine Eigenschaft, die wir uns später im Parcours durchaus wünschen.“ Insgesamt wurden sechs Pferde im Alter von drei bis fünf Jahren im Freispringen gezeigt, wobei sie sich in ihrer Entwicklung und im Trainingszustand deutlich unterschieden. Bei den schon routiniert springenden Pferden riet von Rönne jetzt unter dem Reiter das Springen zu beginnen, damit eine weitere Entwicklung erfolgt. Sören von Rönne betonte nachdrücklich, wie wichtig es sei, die Abstände zwischen den einzelnen Sprüngen an die Galoppade des Pferdes anzupassen, um es besonders jungen Pferden so leicht wie möglich zu machen und bei ihnen so Spaß und Motivation zu erhalten.

Nach einer Mittagspause folgte als zweiter Programmpunkt die Demonstration der Longenarbeit durch Marco Hildebrandt. Er arbeitet die Pferde vom bekannten und erfolgreichen Gespannfahrer Bruno Kellinghusen und gibt auch international Doppellongenlehrgänge. Aktuell trainiert er ungarische und irische Fahrsportler für die nächsten Weltmeisterschaften. Auch den Holsteiner Jungzüchtern hatte er im Vorfeld der Forumsveranstaltung einige Trainingsstunden gegeben, in denen er auch die beiden Moderatoren Greta Lüschow und Neel-Heinrich Schoof für seine Arbeit begeistern konnte. Zum Auftakt demonstrierte Hildebrandt die Arbeit an der einfachen Longe und  wies  auf die Vielzahl verschiedener Möglichkeiten hin, ein Pferd auszubinden. Oberste Priorität hat für ihn, dass das Pferd keine Möglichkeit bekommt, sich auf das  Gebiss zu legen. Das Pferd zeigte sich hierbei bereits sehr sicher, so dass der Referent mit der Gewöhnung an die Doppellonge beginnen konnte. Um es nicht zu erschrecken, führte er die äußere Leine zunächst über den Rücken. „Erst wenn das Pferd die Führung durch die zwei Leinen annimmt, sollte man die Longe um die Hinterhand laufen lassen“ berichtete der erfolgreiche Gespannfahrer aus seinem Erfahrungsschatz. Im Folgenden zeigte sich den zahlreichen Zuschauern, insbesondere bei den vielen fließenden Handwechseln, dass „Doppellongenarbeit Laufarbeit ist“. Einen tieferen Einblick in sein Repertoire konnte er anhand des zweiten Pferdes zeigen, welches bereits über deutlich mehr Erfahrung an der Doppellonge verfügte, sich aber aufgrund der ihm unbekannten Kulisse sehr aufgeweckt präsentierte, so dass der Referent sprichwörtlich alle Hände voll zu tun hatte. Dennoch gelang es ihm, das Vertrauen und die Aufmerksamkeit des Pferdes zu gewinnen. Nun war  es ihm möglich das Pferd am langen Zügel zu arbeiten und dem Publikum so Lektionen wie beispielsweise Seitengänge zu zeigen..

Das gerade an der Doppelllonge nicht alles vorbildlich umgesetzt würde, sei ihm durchaus bewusst und so demonstrierte er immer wieder, welche Fehler vermieden werden sollten. Auf die Demonstration folgte eine angeregte Diskussion, sowie zahlreiche Anfragen nach Lehrgängen.

Im dritten und letzten Teil der Jungzüchterveranstaltung wurde Bezug genommen auf die ersten Schritte des jungen Pferdes unter dem Reiter. Die erfolgreiche Dressurreiterin Karin Lührs, die nicht nur ihre eigenen Pferde bis zur Grand Prix Reife ausbildet, sondern auch angehende Trainer im Pferdesport schult, war dafür nach Elmshorn gekommen.

„Man beginnt zunächst damit, sich auf den Rücken des Pferdes zu legen, so dass sich das Pferd an das gewicht des Reiters gewöhnen kann“, so Karin Lührs. Jungzüchter Nils Rohde demonstrierte diesen ersten wichtigen Schritt mit seinem 3jährigen Wallach. Das Pferd wurde dabei von einer Helferin fest gehalten und Frau Lührs wies darauf hin, dass eine dritte Person zur Verfügung stehen sollte, die dem Reiter vorsichtig auf das Pferd hilft.
Das zweite Reitpferd, selbst erst 4jährig, zeigte sich unter Dana Erichsen bereits sehr sicher.  Die Referentin verwies auf die ersten drei Punkte der Skala der Ausbildung: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung. Das Pferd sollte freudig und mit genügend Zug nach vorne gehen und darf keine Angst vor der Hand haben. Dies kann in den Augen von Frau Lührs nur durch einen erfahrenen Reiter gewährleistet werden. In der Ausbildung bereits einen Schritt weiter waren die nun folgenden Pferde, die von Jessica Magens und Benedikt Kamerichs vorgestellt wurden. Anschaulich gab die Referentin hier weiterführende Tipps und ging hierbei besonders auf Trabverstärkung und erste Phasen des Aussitzens ein. Jedem Reiter riet Frau Lührs dazu, seine Arbeit durch das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen ständig zu überprüfen. Das langsame Aufbauen junger Pferde hat für die erfolgreiche Reiterin dabei höchste Priorität. Anstelle ein angerittenes Pferd  „wegzustellen“, sollte es schonend weiter gearbeitet werden, damit sich auch die Muskulatur kontinuierlich weiter entwickeln kann. Zum Abschluss ihrer Ausführungen machte Karin Lührs ganz klar deutlich, dass der Schlaufzügel niemals in der Ausbildung junger Pferde Anwendung finden sollte.

In allen Teilen der Veranstaltung wurde deutlich, dass Vertrauen und Geduld die Grundlagen für die Ausbildung eines guten Reitpferdes darstellen.

Die praktische Umsetzung des Jungzüchterforums in diesem Jahr kann als  erster wichtiger Schritt für die Ausbildungsoffensive des Holsteiner Verbandes angesehen werden und war Werbung für die Holsteiner Jungzüchter weit über die Grenzen Holsteins hinaus.

                  


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